Offizielle Kursbeschreibung
Die Frage nach der Wahrheit ist immer auch eine politische Frage. Zunächst einmal ist da die Frage, inwiefern Fakten normative Relevanz haben – wie informiert sich die ethische und politische Normsetzung? Zugleich steht immer die Frage im Raum, ob und wie Wahrheit vielleicht von Machtfragen durchsetzt und damit gar nicht „rein“, absolut und objektiv ist.
Für die Philosophie steht fest, dass zwar einerseits der naturalistische Fehlschluss vermieden werden sollte, dass aber andererseits Normatives und Faktisches in der diskursiven Realität selten säuberlich getrennt vorkommen.

In den letzten Jahren ist immer häufiger die Rede von „Fake News“ – doch was heißt das eigentlich? Sind das einfach Lügen, oder geht es nicht vielmehr um „alternative Fakten“, also um einen Plural an Wahrheiten? Verliert auf diese Weise der Wahrheitsbegriff vollends an Trennschärfe, oder handelt es sich hier um ein Missverständnis in Bezug auf den Wahrheitsbegriff?

Im 20. Jahrhundert ist der Wahrheitsbegriff in der Philosophie zunehmend problematisch geworden, ein Stichwort dafür ist die sogenannte Postmoderne. Sie hat den Ruf, relativistisch zu sein und die Wahrheit der vollkommenen Beliebigkeit anheimgestellt zu haben. Sind die aktuellen „Fake-News-Debatten“ vielleicht eine späte Folge dieser angeblichen Relativierung des Wahrheitsbegriffs?

In dem Seminar werden wir uns in Bezug auf diese Fragen auf Spurensuche begeben. Wir lesen Texte klassischer Wahrheitstheorien und wahrheitskritische Texte. Wir nähern uns auch Begriffen von Zweifel, Lüge und Fake. Nicht zuletzt werden wir uns auch Textquellen aus dem Fake-News-Diskurs der letzten Jahre ansehen. Sie als Teilnehmende werden in diesem Werkstatt-artig angelegten Seminar selbst kurze Analysen verfassen und diese mit Ihren Kommiliton*innen diskutieren.
Dabei steht immer die Frage im Raum: Welche politische Relevanz hat die Rede von der Wahrheit?

Für die Teilnahme vorausgesetzt werden die regelmäßige Lektüre in Vorbereitung auf die Seminardiskussion und das Verfassen eigener Texte.

[b]Besonderes:[/b] Das Seminar findet 14-tägig und dann immer 4-stündig statt. Daher starten wir bereits im ersten Block mit der Lektüre – Genaueres, auch Literatur, finden Sie im Moodle.

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Semester: ST 2022
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